Die Sommerinterviews 2008 – Christian "starwarschef" Schaller

Cthulhu.de-Team: Auf den Rücken der Supporter wird das kosmische Grauen durch ganz Deutschland getragen. Zeit sich einmal diese besondere Spezies der Kultisten näher anzuschauen. Ich habe hier zufällig gerade jemanden greifbar: Christian, stell dich doch mal kurz vor!

Christian „starwarschef“ Schaller: Welche Ehre…

Christian Starwarschef Schaller
Christian "Starwarschef" Schaller

CT: Ehre wem Ehre gebührt!

Swc: Zu mir, mein Name ist Christian Schaller, aber geläufiger dürfte mein Nickname in diversen Foren sein: Starwarschef. Mittlerweile habe ich die dreißig schon ein wenig überschritten und verdiene meinen Lebensunterhalt als Sozialfuzzi und Hobbypastor (was soll man nach einem abgeschlossenen Studium der Theologie und der Erziehungswissenschaften auch anderes machen).

CT: Wie bist du denn in diesen Strudel aus Horror und Wahnsinn geraten, den wir allgemein als unser Hobby bezeichnen?

Swc: Auf das Hobby Rollenspiel bin ich Mitte der Achtziger gestoßen, als die Fighting Fantasy-Bücher von Penguin-Books damals noch vom Thienemann-Verlag auf den deutschen Markt kamen. Zwangsläufig stieß ich dann auf Das Schwarze Auge, spielte ein wenig D&D und war von der ersten deutschen MERS-Ausgabe begeistert.
Leider war es mir schon damals selten vergönnt selber als Spieler teilzunehmen, so dass ich immer der Spielleiter sein durfte. So oblag es dann auch mir, die Abenteuer und die Settings auszuwählen.
Der Bereich der Fantasy war mir irgendwann dann auch zu langweilig, es gab nicht viel Neues, so dass ich mich dann mehr an stärker in die Richtung der Science Fiction (bzw. Space Fantasy und Science Fantasy plus Cyberpunk) bewegte (Star Wars und Shadowrun).
Cthulhu kam dann als Zweitrollenspiel für gruselige Abende dazu.

CT: Wie bist du denn auf Cthulhu aufmerksam geworden?

Swc: Anfang der 1990er stieß ich auf die günstige Cthulhu-Ausgabe von Hobby Products, kurz bevor Laurin seine Cthulhu-Sachen veröffentlichte und so nahm das Schicksal dann seinen Lauf. Zumal ich damals irgendwie der Fantasy überdrüssig geworden war, weil sich die Abenteuer immer mehr ähnelten und es wenig neue Sachen zu entdecken gab. Am Anfang war es aber eher ein Sekundärrollenspiel für mich und ich habe mit den Spielern viel ausprobiert, bis die Stimmung für mein Cthulhuspiel gefunden habe; von Indykopien über Gangsterepisoden bis hin zu Splatterabenteuern.

CT: Und welche anderen Rollenspiele hast du noch gespielt oder spielst du noch?

Swc: Oje, fangen wir mal bei A an, AD&D habe ich schon geleitet und gespielt, das und D&D erwähnte ich bereits, MERS, Paranoia, Rifts, Shadowrun, Star Wars (daher auch der Nick), Torg (ein äußerst unterschätztes Rollenspiel von West End Games), Traveller und sogar die WoD habe ich mal besucht (wenn auch nur kurz). Und dann noch diverse andere Exoten wie Tales of the Floating Vagabound, Machoweiber mit dicken Kanonen,…

CT: Stattliche Auswahl! Was sind deine derzeitigen Favoriten?

Swc: Mittlerweile spiele ich fast nur noch Cthulhu und Star Wars (in dieser Reihenfolge), Shadowrun ist als Drittrollenspiel noch dabei Und durchs Püppchenschieben und D&D-Demorunden inspiriert schaue ich mir auch gerade ein wenig die Iron Kingdoms an.

CT: Zurück zu den Großen Alten: Cthulhu ist ja schon etwas Besonderes. Was begeistert dich daran?

Swc: Der Reiz von Cthulhu liegt für mich im Wahnsinn und im Alltäglichen. Es macht mir (als Spieler) Spaß quasi-realistische Figuren zu verkörpern und keine Söhne (oder Töchter) des großen Gottes BLAH, die mit 97 Feats ausgestattet, auf Stufe 13 rumlaufen und nur noch das letzte Schwert von XY suchen. Aber das gibt es ja mittlerweile online (habe ich gehört).
Bereits im Bereich des Fantasy-Rollenspiel war ich (als Spielleiter) irgendwann diese „Tür auf- Monster tot- Abenteuer“ leid (obwohl mir Munchkin sehr gut gefällt), so dass ich dann irgendwann eher NSC-betonte und auch detektivische Abenteuer geleitet habe.

CT: Und was ist deine Lieblingsepoche bei Cthulhu?

Swc: Vor allem mag ich die 1920er, sowohl in den USA als auch in Deutschland

CT: Was haben die 20er was die anderen Epochen nicht haben?

Swc: Nun ja, es ist sowohl in den USA als auch in Deutschland eine politisch sehr interessante Zeit, es gibt eine Menge neuer Technologien (für die damaligen Menschen) und das Ganze hat eine gewisse Grundstimmung, die mehr ist als die Prügel- und Schießorgien anderer Rollenspiele in der Neuzeit und Gegenwart. Und wer wollte nicht mal Al Capone oder Indy begegnen?!

CT: Tja, und welche Epoche kann dir gestohlen bleiben und warum?

Swc: Da gibt es eigentlich keine, wieso auch?!
Okay, das Mittelalter hat mich bisher am wenigsten interessiert, aber das liegt vielleicht auch einfach daran, dass es von vielen zu fantasy-like angegangen wird. So fragte mich in einer Demorunde mal jemand, wo auf seinem 1000 A.D.-Bogen die Zaubersprüche stünden, da es ja im Mittelalter Magier gegeben hätte…

CT: Äh, das war sicherlich eine sehr interessante und vor allem auch bleibende Begegnung, zu diesen und ähnlichen Erfahrungen kommen wir ja gleich noch. Kurz noch zu Cthulhu: Unabhängig von der Epoche, was ist dein Lieblingsszenario?

Swc: Hmm, im Nachklang der CthulhuCon 2007 darf ich da ja nur eines nennen:
Devil´s Children von Pagan Publishing, ein Abenteuer, das ich schon mehr als ein Dutzend Mal geleitet habe.

CT: Ja, ein schönes Abenteuer. Ganz kurz für alle die es nicht kennen, worum geht’s
?

Swc: Nun ja, das Abenteuer beginnt mit den Hexenprozessen von Salem und die Spieler schlüpfen in die Rollen von vier gottesfürchtigen, puritanischen Mädchen… und es endet dann in der Gegenwart. Ich will da nicht zuviel verraten, da gerade dieses Abenteuer von einigen Überraschungsmomenten lebt. Aber ich kann es nur empfehlen und wen es interessiert, der findet es mittlerweile bei Yog-Sothoth zum Download. (Anm CT: Link hinzugefügt)

CT: Schreibst du eigentlich auch selbst Szenarios?

Swc: In meiner Cthulhu-Anfangszeit eigentlich nur, vor allem wegen fehlender Abenteuer. Mittlerweile haben die deutschen Cthulhu-Publikationen in meinen Augen aber ein Niveau erreicht, dass sie nur schwer zu ignorieren sind, so dass 90% der von mir geleiteten Abenteuer nicht aus meiner Hand stammen. Dabei muss ich an der Stelle aber auch gestehen, dass ich noch nie ein Abenteuer komplett aus dem Buch übernommen habe, sondern es immer irgendwie der jeweiligen Kampagne oder den Spielern angepasst habe.

CT: Wie sieht es mit Artikeln aus? Ich erinnere mich an ein Projekt über den Alltag in den 20er Jahren. Was hat es damit auf sich?

Swc: Manchmal stößt du während deiner Spielrunde auf Sachen wie die Frage, ob es 1920 schon Tesafilm gab und dann fängst du halt an zu recherchieren. Da sich vor einiger Zeit ein paar Leute im Cthulhu-Forum zusammengerauft haben, um sich genau solchen Fragen bzw. den Antworten darauf zu widmen, entstand da die Idee, solche Sachen mal zusammenzutragen. Ich arbeite nun gerade an der Apotheke in den 1902er und hoffe das bis Ende Juli endlich mal zusammengeschrieben zu haben; leider fehlt es mir dann doch oft an der Zeit, besonders wenn ich noch für angehende Cthulhu-Autoren Abenteuer in Luxushotels probespielen soll.

CT: *husthust*

Swc: Ach ja und das Tesafilm erst wurde 1935 unter dem Namen „Beiersdorf-Kautschuk-Klebefilm“ auf den Markt gebracht.

CT: Eine Überleitung vom Kautschuk-Klebefilm zum Support schaffe ich nicht, darum versuche ich es auch gar nicht. Also ganz ohne Umschweife, jetzt das Thema Pegasus-Support: Wie bist du denn da hineingeraten?

Swc:Tja, das war so eine Sache. Nachdem ich dem Rollenspiel beruflich bedingt einige Zeit abstinent geworden war (bis auf meine StarWars Gruppe), habe ich mich vor zweieinhalb Jahren mal im Netz bezüglich der Rollenspielsituation in Deutschland kundig gemacht und stieß auf der Pegasus-Seite auf das Supportbewerberformular. Und nach einiger Zeit des Supports für Munchkin, Chez Geek usw., habe ich dann vor zwei Jahren auf der Feencon mit dem Supporten von Cthulhu angefangen. Und nach einigen Cons und diversen Ladendemos macht es mir immer noch Spaß.

CT: Sind die Cthulhu-Runden denn gut besucht?

Swc: Auf Cons eigentlich immer, bei Ladendemos ist das so ein Sache. Mein erstes Demorundenangebot habe ich im Sommer 2006 gemacht, aber es hat schließlich ein halbes Jahr gedauert, bis ich eine Runde gespielt habe. Was aber auch daran liegt, dass ich gerne mal spontan eine halbe Stunde Munchkin spielen kann, aber mir drei bis vier Stunden Zeit für ein Rollenspiel zu nehmen, gerade wenn ich diese Spielform nicht kenne, ist schon etwas anderes. Aber mittlerweile läuft es in meinem Support-Laden (dem Dragonlord Games in Dillingen/ Saar) recht gut, da ich mich mit dem Shopkeeper Andy und einigen Rollenspielern aus dem Laden auf regelmäßige Rollenspieldemos verständigen konnte.
Nach langer Zeit Shadowrun am Montagabend, ein wenig Ars Magica und D&D sowie zahlreichen Cthulhu-Demorunden spielen wir derzeit mal ein wenig Star Wars. Für Cthulhu bietet sich was Ladenrunden anbelangt vor allem die dunkle Jahreszeit an.

CT: Und wie funktioniert das Supportgeschäft? Harte Arbeit oder unendlicher Spaß?

Swc: Prinzipiell ist das immer eine Einstellungssache, damit meine ich, dass es darauf ankommt wie du die Sache betrachtest. Die zu animierenden Spieler sollten also schon das Gefühl haben, dass du dich bei Cthulhu auskennst (Regel, Mythos, Zeit, usw.), was unter Umständen auch schon einer gewissen Vorbereitung bedarf.
Bei einer Supportrunde weißt du vorher selten, was dich erwartet (an Spieler, Situationen usw.), so dass du dir schon mal über alle möglichen Eventualitäten Gedanken gemacht haben musst. Aber andererseits ist das Rollenspiel ein Hobby von mir und ob ich das nun zuhause mit Freunden oder als Demo in einem Laden mache, stellt für mich nicht unbedingt einen Unterschied dar.
Natürlich kann es auch mal passieren, dass du Spieler vor dir hast, die nur aus Langeweile da sitzen, um die Mitspieler oder den SL zur Weißglut oder in den Wahnsinn zu treiben, aber so ist das dann halt. Es gab noch keine Runde, bei der ich mich wirklich geärgert habe und so ist es, auch wenn es manchmal harte Arbeit ist doch immer jede Menge Spaß (auch wenn mir dieses Attribut gerade bei Cthulhu immer ein wenig fehl am Platz erscheint).

CT: Was hast du denn für Abenteuer parat?

Swc: Jetzt sofort zum Leiten?? Was willste denn spielen??
Ernsthaft, zu meinen Standardsupportabenteuern gehören vor allem OneShots wie Last Men Standing und Projekt Pi (die sehr actionhaltig und pulpig sind), Paul Wegener und Kati S. habe ich für NOW parat sowie Das entsetzlich einsam gelegene Haus oder Feuer und Asche für die 1920er. Einige der genannten Abenteuer sind zwar etwas schienenlastig, aber gerade für Supportrunden bietet sich ein gewisses railroading an, da ja nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung steht.

CT: Gutes Stichwort: Railroading. Das wird ja oft kritisiert und diese Kritik wird regelrecht zelebriert, wie siehst du das? Du bist ja recht aktiv als Supporter, spielst in den unterschiedlichsten Gruppenzusammenstellungen und mit den verschiedensten Leuten. Was für Erfahrungen hast du gemacht mit dem roten Tuch Railroading?

Swc: Okay, das ist ein diskutables Thema, aber ich sage es mal so: Es gibt bestimmt eine Menge Abenteuer, die so veranlagt sind, dass die Spieler nur auf einem Weg in der richtigen Reihenfolge von A nach B und schließlich zum Ziel C gelangen können und dann wenig Ausweichmöglichkeiten haben. Aber erstens kann ich diesen Weg als guter SL auch öffnen, muss mir dann nur unter Umständen ein alternatives Ende bzw. Zwischenstationen ausdenken und zweitens kommt es auch auf die Stimmung und das Tempo an.
Z. B. Hatte ich auf der FeenCon eine Runde, bei dir mir ein begeisterter Spieler im Anschluss sagte, dass das Abenteuer ein schienenlastig war, aber trotzdem fand er es gut und meinte: „Ich sage das jetzt nur, weil du Kritik hören wolltest.“

Ich glaube auch, dass manche Diskussion im Rollenspielbereich scheinbar zelebriert werden müssen, sei es die Goldene Regel, das Abenteuer Rollenspiel, das Schummeln des SL beim Würfeln, der scherzhafte Erzähler usw. usf.
Da diskutier ich gerne drüber, weil es einfach so sinnentleert teilweise auch Sinn entleerend ist. Ehrlich gesagt hatte ich da noch nie ein Problem, entweder habe ich mit meiner Gruppe darüber diskutiert oder entsprechende Stellen im Abenteuer, die mir nicht nachvollziehbar erschienen abgewandelt. Und komischerweise finden sich immer noch Leute, die mit mir als SL spielen wollen, trotz des Outings als scherzhafter Erzähler.
Das ist ein Thema, da könnte ich jetzt stundenlang was zu sagen, aber ja, es gibt Menschen, die halten Railroading prinzipiell für schlecht, auch wenn ich mit ein zwei simplen Handgriffen aus einem Railroadingabenteuer eines ohne machen kann. Zumal die meisten Spieler sowieso den Weg gehen, den das Railroading des Abenteuers voraussetzt.

CT: Und von welchen schrecklichen Con-Begegbenheiten kannst du erzählen?

Swc: Was Schreckliches ist mir auf Cons eigentlich noch nie passiert, Conrunden laufen zwar nie wie geplant, aber daran liegt doch der Reiz?!

CT: Gut, als Erziehungswissenschaftler kannst du mit Härtefällen umgehen und als Theologe bleibt dir der Glaube als Anker, aber Du hast wirklich noch nie das Gefühl gehabt den Verstand bei einer Runde zu verlieren?

Swc: Doch, ständig…
Gerade wenn meine Spieler anfangen Selbstgespräche zu führen oder am Spieltisch mit Messern hantieren, weil ihr SC einen Messerfetisch hat. Das gibt mir dann schon zu denken.
Ernsthaft, gerade als SL sollte ich doch den Unterschied zwischen Spielgeschehen und Spielwelt wahrnehmen und so immer wissen, was ist real und was Teil des Spiels.
Und deswegen kann ich hier auch ganz ohne Problem „Hastur, Hatsur, Hastur!“ sagen.

CT: Und vergessen wir auch nicht den Magier des Mittelalters von oben… Wenn aber wirklich nichts allzu Schlechtes passiert, gibt es vielleicht etwas Gutes zu berichten?

Swc: Da gibt es einiges, aber was mir gerade einfällt sind die zwei Cthulhu-Runden auf der FeenCon. Die Spielerzusammensetzung war contypisch, ein paar Neulinge, unerfahrene Spieler sowie „alte Hasen“. Und während die Neulinge darum bemüht waren, das Abenteuer zu bewältigen und zu überleben, gingen die älteren stärker auf ihren Charakter ein und taten dann auch Dingen von denen sie aufgrund ihrer Erfahrung wussten, dass dies niemals funktionieren würde. Dank an der Stelle noch mal an Hypnos den Illusionisten aus dem Hotel Arcadia, es war mir eine Freude mit dir zu spielen. Gerade diese Kombination aus Neulingen, jüngeren Spieler und erfahrenen Rollenspieler macht für mich eine Menge aus, da habe ich als SL dann auch was von und mache nicht nur den Moderator des Abenteuers.

CT: Gehen wir zum Thema Lovecraft: Hast du die Geschichten gelesen?

Swc: Ja, aber ich glaube nicht alle.

CT: Welche fehlen noch? Bei mir sind es beispielsweise die Traumlande und ein paar Kooperationen aus dem Suhrkampband „Das Grauen im Museum“…

Swc: Kann ich so gar nicht beantworten, da ich viele der Geschichten bereits in den 1990er gelesen habe, in den wunderbaren Suhrkamp-Ausgaben und mittlerweile nur noch aus Recherche-Zwecken in die Bände reinschaue.

CT: Was hältst du von Lovecraft als Autor?

Swc: Nun ja, ich würde ihn weniger zu den Klasse A-Autoren zählen und sein Schreibstil ist schon ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber trotzdem hat gerade dieser Erzählerstil etwas für sich und gibt dadurch auch ein gewisses Gefühl dafür, wie bedeutungslos der einzelne Mensch sein kann.
Lovecraft schreibt über relativ normale Menschen, denen relativ abnormale Dinge geschehen. Seine Protagonisten sind für mich, Menschen wie du und ich, so dass es einem relativ einfach fällt, sich in diese Leute hinein zu versetzen und den Schrecken den diese Menschen erfahren zu erahnen. So werden die abstrusen Ereignisse „nachvollziehbar“ und das Interessante ist für mich dann weniger das Ereignis sondern das Verhalten und die Psychologie des Erzählers. Und gerade dieses Grauen, das von innen heraus kommt, bedeutet für mich mehr Horror als cineastische Splatterorgien oder Torture-Porns.

CT: Gibt es Geschichten die für dich herausstechen?

Swc: Zu meinen Lieblingsgeschichten gehören „Der Flüsterer im Dunkeln“ und „Herbert West“. Erstere wegen der MiGo und letztere, weil sie eine der ersten Lovecraftgeschichten war, die mich wirklich gepackt hat (und mir dabei aufgefallen ist, dass z. B. King sehr viel bei HPL abgeschrieben hat, so ist einiges davon in Friedhof der Kuscheltiere verarbeitet).
Und „Kühle Luft“ gefällt mir auch sehr gut. Dies war übrigens die erste Cthulhu-Geschichte, die ich als „Hörbuch“ hatte; damals noch live aus dem Radio mitgeschnitten.

CT: Bei Stephen King sieht man wirklich deutliche Inspirationen und er hat ja auch einige Mythosgeschichten verfasst (Briefe aus Jerusalem z.B.). Abseits des Mythos, liest du auch andere Horrorgeschichten?

Swc: Früher sehr viel Stephen King, aber mittlerweile weniger. Die letzte Horrorgeschichte war aus einem Sammelband von Frank Turner, „Der Mann mit dem Horn“ weil ich über Delta Green auf diesen Avatar Nyarlathoteps gestoßen bin.

CT: Wieder zurück zum Einsiedler aus Providence: Glaubst es ist nötig Lovecraft gelesen zu haben, um das cthuloide Gefühl rüberbringen zu können?

Swc: Unbedingt musst du Lovecraft nicht gelesen haben, um Cthulhu zu spielen, aber als Spielleiter solltest du vielleicht die eine oder andere Geschichte des Mythos kennen.
Ich glaube auch, dass dieses „cthulhoide Gefühl“ äußerst unterschiedlich verfasst sein kann (was das Rollenspiel anbelangt).

CT: Was ist für dich denn cthluhoid?

Swc: In den Geschichten, dass der Erzähler aufgrund der Geschehnisse wahnsinnig wir und/ oder stirbt. So oder so, das Grauen des Mythos bringt ihn um.
Im Rollenspiel bedeutet es für mich dann, dass die Spieler es mit etwas aufnehmen, von dem sie wissen, dass sie es eigentlich gar nicht besiegen können, aber sie tun es trotzdem, aus verzweifelter Hoffnung. Und lassen sich auf Sachen ein, von denen die Spieler wissen und die Charaktere ahnen, dass es unmöglich ist zu „gewinnen“; zumindest langfristig nicht, auch wenn sich im Abenteuer selbst ein Erfolg einstellt.

CT: Lovecraft hat ja andere Autoren dazu ermutigt den Mythos weiterzuspinnen, hast du da bestimmte Vorlieben?

Swc: Weniger, wobei ich in meiner Cthulhu-Anfangszeit irgendwann auf den Hexer und Holbein gestoßen bin. Und das hat mir damals sehr geholfen, ein cthulhoides Gefühl zu finden und so den Nihilismus, den der Mythos in sich birgt für das Rollenspiel umzusetzen und nicht einfach die Spieler sterben oder wahnsinnig werden zu lassen. Dieses Prinzip der verzweifelten Hoffnung, was ich eben erwähnte. Es lohnt sich schon den Hexer mal in der Hand gehabt zu haben, auch wenn der Mythos dort etwas anders aussieht.

CT: Hast du dir auch mal das Hexer-Setting angeschaut?

Swc: Ja, aber ich kenne nur das Grundregelwerk. Kann ich übrigens nur empfehlen, gerade wenn es ein wenig pulpiger zugehen und mal was anderes aber trotzdem in der klassischen Zeit gespielt werden soll. Die Überlebenschancen sind beim Hexer um einiges größer!

CT: Wie lang so ein Interview werden kann… Also Christian, es war mir eine besondere Ehre, ich danke für das Interview und die letzten Worte gehören natürlich dir!

Swc: Was soll ich sagen? Bevor ein Roman aus dem Interview und meinen letzten Worten wird: Besucht den Chat und rettet ihn vor den Römern!!!

5 Gedanken zu “Die Sommerinterviews 2008 – Christian "starwarschef" Schaller

  1. PriesT

    Schönes Interview!  vll überraschst du deine private Gruppe ja demnächst auch mal mit was komplett selbst geschriebenem 😉  wird sicher lustig und interessant

    Big Cthulhu is watching us…  

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