Delta Green: Abteilung 9 – Kriegsverbrecher (Teil 1)

Das folgende Material basiert auf dem Prinzip des Cthulhu-Rollenspiels, historische Fakten zu übernehmen und möglichst plausibel mit fiktiven Elementen zu kombinieren. Die Informationen über die Einheit 731 sind echt. Lediglich die Abteilung 9 ist frei erfunden. Die echten Hintergründe sind selbst schon so schockierend, dass sie aus einem perversen Horrorfilm stammen könnten. Für Delta Green oder auch eine Cthulhu Now-Kampagne eignen sie sich deshalb hervorragend. Ich möchte nicht zu detailliert auf die echte Einheit 731 eingehen, da dies andere Quellen im Internet besser tun. Der Artikel konzentriert sich auf den für Cthulhu erdachten Teil.

Grausamkeit im Namen der Wissenschaft

Die Einheit 731

Die Einheit 731 (Nana-san-ichi butai) war eine Spezialeinheit der kaiserlichen japanischen Armee, die während des zweiten Weltkrieges die Produktion und Anwendung biologischer und chemischer Waffen erforschte. Dabei wurden vor allem in China unmenschliche Brutalitäten an den als „Holzklötze“ (maruta) bezeichneten Versuchspersonen begangen. Mehrere Tausend Chinesen, viele Russen und auch gefangene West-Alliierte kamen ums Leben, viele von ihnen wurden bei lebendigem Leib seziert (Vivisektion). Nach dem Krieg gingen die Leiter der Abteilung straffrei aus, da die Amerikaner an den Untersuchungsergebnissen interessiert waren. Viele der führenden Personen der Einheit konnten daher erfolgreiche Zivilkarrieren, unter anderem als Gründer der ersten privaten Blutbank der Welt, Greencross, führen.

Um den cthuloiden Teil besser verstehen zu können, empfiehlt es sich, die historischen Fakten zunächst im Internet nachzulesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Einheit_731
http://en.wikipedia.org/wiki/Unit_731 (Der englisch-sprachige Eintrag ist umfangreicher)
http://en.wikipedia.org/wiki/Shir%C5%8D_Ishii (Shiro Ishii, wissenschaftlicher Leiter der Einheit)

Abteilung 9

Offiziell hatte die Einheit 731 nur acht Abteilungen. Zu einem ihrer größten Geheimnisse gehört aber die Existenz einer neunten Abteilung, die sich ähnlich wie die Karotechia in Deutschland mit der Erforschung des Okkulten befasste. Anders aber als die Karotechia, die aus der Organisation Ahnenerbe und damit einem eher ideologisch-historischen Forschungshintergrund entsprungen ist, war es von Anfang an die Aufgabe der Abteilung 9, okkultes Wissen auf eine Verwendungsfähigkeit im Kriegseinsatz zu prüfen.

Bereits nach dem ersten japanisch-chinesischen Krieg 1894/1895 und der darauf folgenden Annektierung der Insel Taiwan gerieten japanische Militärs in Kontakt mit okkulten chinesischen Schriften, unter anderem Auszügen des Buches von Dzyan. Aber erst im Laufe des zweiten japanisch-chinesischen Krieges wurde man sich der Bedeutung dieser Quellen bewusst. Vor allem inspiriert durch die deutsche Tibet-Expedition des Ernst Schäfer begann man in den besetzten Gebieten systematisch nach Mythos-Literatur zu forschen. Zunächst per Geheimbefehl durch alle Truppenteile, ab 1939 durch eine spezielle Sondereinheit, die nicht nur in den besetzten Teilen Chinas agierte. Dieses Kommando kage chishiki (Schattenwissen, auch benannt nach Ihrem leiter, Oberst Kage) hatte die Aufgabe, Mythosliteratur zu identifizieren und zu sichern. Offenbar bestanden schon damals enge Verbindungen mit führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet aus dem Deutschen Reich. Es ist anzunehmen, dass auch schon zu diesem frühen Zeitpunkt ein Austausch von Wissen stattfand.

Der japanische Botschafter Sakuro Kurosu im September 1940 zusammen mit Hitler. Im Rahmen der Verhandlungen wurde auch geheimes Wissen ausgetauscht.

Erst 1942 wurde das Kommando kage chishiki in die Einheit 731 übernommen, als man damit begann, das gesammelte Wissen in Experimenten anzuwenden. Man sah einen Vorteil darin, die schon vorhandene Infrakstruktur der Einheit zum Durchführen geheimer Experimente zu nutzen. Geheimhaltung und der Nachschub an Versuchpersonen konnte so gesichert werden. Die Abteilung 9 wurde der administrativen Leitung von Ishii Shiro unterstellt, der die Gesamtleitung der Einheit 731 Ende Juli 1942 abgab. Offiziell, weil Feldversuche mit biologischen Waffen im Mai des selben Jahres zum versehentlichen Tod von mehr als 1.700 japanischen Soldaten führten. In Wirklichkeit diente auch diese Maßnahme nur dazu, die Existenz der Abteilung 9 zu verschleiern. Die wissenschafltiche-okkulte Leitung der Abteilung 9 blieb bei Oberst Kage.

Psychologische Kriegsführung mit okkulten Mitteln

Die Existenz von Geistern, einer Geisterwelt und dem Übersinnlichen ist in der japanischen Tradition tief verankert. Dämonenwesen, die einen Menschen beschützen oder vor denen man sich schützen muss, sind nichts Neues. Wohl aber die tatsächliche physische Existenz cthuloider Schrecken. So gingen die ersten Experimente der Abteilung 9 auch eher in die Richtung der psychologischen Kriegsführung. Phänomene wie Massenhypnose, Beinflussung des menschlichen Geistes und Massenhysterie sollten unter Zuhilfenahme von entsprechenden Zaubern und Ritualen erforscht werden. Gleichzeitig hoffte man auch Wege zu finden, die eigenen Truppen mental zu stärken oder besser gesagt noch gefügiger zu machen. Durchgeführte mit Magie zum Geisttransfer zwischen verschiedenen Körpern führten zu Wahnsinn und Selbstmorden, nicht nur bei den beabsichtigten Opfern.

Ziellose Experimente und Rückschläge

Angesichts der Unvollständigkeit des Wissens der Abteilung 9 über die Magie des Mythos und dessen Kreaturen, standen die Wissenschaftler vor einem riesigen Berg ungelöster Rätsel. In den Jahren 1942 bis 1944 wurde in die verschiedensten Richtungen experimentiert. Interne Rivalitäten zwischen der administrativen Leitung under Shiro und der wissenschaftlichen Leitung durch Kage führten zu zusätzlichen Rückschlägen bei zahlreichen Versuchen. Vermeintliche Fortschritte, wie zum Beispiel die Entdeckung, dass medial begabte Personen offenbar anfällig für Visionen waren, die von Kreaturen des Mythos ausgesendet wurden, entpuppten sich schnell als fatale Fehlschläge. Nicht nur die bei den Experimenten missbrauchten Menschen, sondern auch ihre Bewacher fielen dem Wahnsinn anheim, der dadurch entfesselt wurde. Immerhin konnte eine Quelle dieser Traumvisionen im Pazifik ermittelt werden, zu deren Koordinanten sollte die kaiserliche Marine aufgrund des Kriegsverlaufes aber nicht mehr vordringen können. So blieb die Entdeckung von R’lyeh durch die Japaner aus. Zunehmend gefährdeten die Experimente der Abteilung 9 auch die Sicherheit der anderen Einrichtungen der Einheit 731, weshalb man Mitte 1944 beschloss, sie aufzulösen. Allerdings kam dieser Auflösung ein merkwürdiger Zufall zuvor.

Das Hashima-Syndrom

Seit den 1890ern wird die einige Meilen vor Nagasaki liegende Insel Hashima als Basis für den unterseeischen Kohlebergbau genutzt. Im Besitz des Mitsubishi-Konzerns liefert die Mine auch im zweiten Weltkrieg Kohle für das Kaiserreich. Auf nur wenigen Quadratmetern sind die ersten aus Beton errichteten Wohnanlagen der Welt entstanden und neben vielen Tausend japanischen Arbeitern quetschen sich auch Hunderte von Kriegsgefangenen auf diesem – im Volksmund wegen der Silhouette nur noch Schlachtschiffinsel (gunkanjima) genannten – Eiland. Schon seit langem sind viele der Bewohner, die hier arbeiten, stark depressiv. Seit den 1920ern häufen sich die Selbstmorde. Allgemein führte man dies auf die bedrückenden Lebensumstände zurück. Mit dem Ausbau der unterseeischen Stollen nahmen diese Suizide zu und viele Arbeiter klagten über immer stärker werdende Alp- und Tagträume. Als Oberst Kage im Frühsommer 1944 davon erfuhr, war ihm sofort klar, dass er es hier mit einem außergewöhnlich starken Einfluß des Mythos zu tun hatte. Ähnliche Erfahrungen hatte er in den Vorjahren mit seinen Experimenten gemacht. Er setzte alles daran, diese letzte Chance zu bekommen und versprach den militärischen Oberbefehlshabern, die Vorkommnisse auf Hashima zu untersuchen und zu beseitigen. Immerhin stellten sie mittlerweile eine nicht unerhebliche Behinderung der kriegswichtigen Kohleförderung dar.

Die Silhouette von Hashima.

Tatsächlich hatten sich die Arbeiter mit den immer tiefer werdenden Stollen einer seit Jahrmillionen dort unten im Schlaf liegenden Wesenheit genähert, die nun langsam erwachte und begann, ihre Umwelt wahrzunehmen und kennenzulernen. Mit der Ankunft von Oberst Kage und seinem Stab spürte sie eine mächtige Möglichkeit, ihrem Gefängnis unter den Fluten ein für alle mal zu entkommen. So ließ sie bereitwillig zu, dass die Abteilung 9 ihre Forschungsarbeiten aufnahm und damit sich und auch die Insel immer tiefer in den Abgrund stürzte.

Ich hoffe, Euch hat mein Einstieg hier im Cthulhu-Blog gefallen. Weiter geht es dann in weiteren Postings unter anderem mit:

  • Abteilung 9 – Kriegsende und Erbe
  • Personen der Abteilung 9
  • Die Monsun-Boote – Gelangte okkultes Wissen per U-Boot nach Japan?
  • Die geheimen Archive der Abteilung 9 – Mythoswissen aus Fernost
  • Die Abteilung 9 in einer Delta Green oder Cthulhu Now-Kampagne (auch für Nocturnum)

4 Gedanken zu “Delta Green: Abteilung 9 – Kriegsverbrecher (Teil 1)

  1. Macthulhu

    Klingt alles sehr schräg… Es gibt Dinge, da hat man noch nie von gehört … aber nicht schlecht…. gute Ideen…. bin gespannt auf mehr

    gelungener Einstieg und viel Spaß mit uns 😉 … Oliver

    Marc

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  2. F

    Strange Fact:
    Sandy Petersen leitet höchstpersönlich ab und an ein von ihm „unit 731“ genanntes Szenario, bei dem es um eben jene unit geht – meines Wissens nach leider nie veröffentlicht.

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  3. BlackAleph

    Im Andenken an alle politischen Opfer, und jenen, die von der Geschichte der Menschen vergessen wurden:
    Ich bin ein Bild in Stein;
    Seikilos stellte mich hier auf,
    wo ich auf ewig bleibe,
    als Symbol zeitloser Erinnerung.

    Solange du lebst, tritt auch in Erscheinung.
    Traure über nichts zu viel.
    Eine kurze Frist bleibt zum Leben.
    Das Ende bringt die Zeit von selbst.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Seikilos-Stele

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