Von unaussprechlichen (Orts-)Namen

Der Cthulhu-Mythos ist ja angefüllt mit merkwürdigen Namen und ich glaube, ich habe keine zwei Bekannte, die den Namen Cthulhu gleich aussprechen. Aber darum soll es in diesem kurzen Abriss nicht gehen. Vielmehr machen auch schon die typisch lovecraft’schen Ortsnamen es dem alteingesessenen Germanen schwer, sie auszusprechen. Außerdem ist es – sicher für viele nicht mehr überraschend – ganz interessant zu wissen, wieso ein Ort so heißt, wie er heißt.

Innsmouth

Selbst der Cthulhu-Verlagsleiter Jan-Christoph Steines hat Probleme damit, diesen Ort richtig auszusprechen. Das liegt vielleicht daran, dass es im Englischen und auch bei englischen Ortsnamen tatsächlich zwei verschiedene Ausspracheformen der Nachsilbe „mouth“ gibt. Die meisten Orte, die darauf enden, wie z.B. Portsmouth werden nicht wie der Mund, also „MAUS“ gesprochen, sondern eher wie „MUSS“ oder „MYSS“, wobei es stets schwer fällt, den TH-Laut ins Deutsche zu transkribieren. Es gibt aber auch Ausnahmen, wie zum Beispiel die Ortschaft Tynemouth, die in der Tat wie der Mund ausgesprochen wird. Im Falle von Innsmouth kann man aber davon ausgehen, dass es eher „INNS-MUSS“ heißen soll, denn die Bedeutung des Namens liegt klar auf der Hand: die Nachsilbe -mouth wird häufig für Orte verwendet, die an einer Flußmündung liegen.

Arkham

Die Nachsilbe -ham lässt darauf schließen, dass der Ursprung der Siedlung einmal eine Farm war. In der Aussprache des Ortsnamens wird das „H“ in der Regel verschluckt, so dass sich der Name ausspricht wie: ARKAM. Eine Betonung des „H“ könnte beim muttersprachlichen Zuhörer den Eindruck erwecken, man wolle Arkhamm sagen, was auf eine eingehegte Landschaftsnutzung hinweisen würde.

Dunwich

Verwand mit dem lateinischen „vicus“ bedeutet die Nachsilbe -wich nichts geringeres als „Ort“ oder „Siedlung“. Allerdings führt diese zu einigen Tücken in der Aussprache. Man ist schnell verführt, es wie WITSCH auszusprechen, ähnlich der englischen Hexe, der witch. Allerdings ist das „W“ eher stumm, so dass man diesen Ort wie DUNITSCH ausspricht. Es gibt auch hier wieder Ausnahmen. Ipswich zum Beispiel wird IPSWITSCH gesprochen. Es gibt übrigens einen echten Ort Dunwich in England.

9 Gedanken zu “Von unaussprechlichen (Orts-)Namen

  1. Phil Maloney

    *applaudiert*
    Chapeau, hätt’ch im Prinzip besser nicht sagen können, und an die Gegenbeispiele hätt ich wieder mal garnich gedacht. Höchstens wär noch hinzuzufügen, dass die Betonung in allen Fällen deutlich auf der ersten Silbe liegt und die zweite eher vernuschelt ist – damit ist man dann schon richtig nah dran: INNSmes, AHRKem, DANitsch.
    [setzt sich wieder]

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  2. Synapscape

    Das mit der Betonung der Silben ist noch ein guter Hinweis, danke.

    Aber es freut mich, dass auch der Fachmann apllaudiert. Ich bin nämlich kein Linguistiker, habe mir nur mal vor einer Weile aus Interesse diese Informationen selber erarbeitet, da ich auch einer der Kandiaten bin, der mit der Aussprache solcher Orte auf Kriegsfuß steht. Von daher bitte ich meine laienhafte Transkription zu entschuldigen.

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  3. Schöner Artikel, wirklich. Das H in Arkham hatte ich bisher immer mitgesprochen.
    Nur wie Dunwich ausgesprochen wird, ist leider nicht so eindeutig. Wir hatten vor Jahren mal eine Diskussion darüber, deshalb achte ich seither auf die Aussprache dieses Namens.
    In der Theorie ist dein Artikel wohl richtig (das erzählte uns zumindest ein Anglistik-Professor), praktisch sagt sowohl der Engländer Neil Gaiman (naja, ehem. Engländer; ich weiß nicht, wann er nach Amerika ausgewandert ist) DANNWITSCH, ebenso wie die Leute von der H. P. Lovecraft Society im Hörspiel „The Dunwich Horror“. Irgendein Amerikaner in der Lovecraft-Biography sprach es dafür wieder sehr britisch DANNITSCH aus.
    Falls jemand die Aussprache mit der Hexe von einem Engländer hört, heißt das also nicht unbedingt, dass der Artikel falsch liegt 🙂

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  4. Synapscape

    Ok, verschiedene Dialekte und Aussprachen habe ich natürlich nicht berücksichtigt. Da gibt es sicher regional viele Unterschiede. In meinen Artikel ist auch nur die „offizielle“ Ausspracheregelung im britischen und amerikanischen Englisch eingeflossen (was sich wohl mit dem von dir genannten Anglistik-Professor deckt).

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  5. Todesschnitzel

    Schöner Beitrag! Könnt ihr das gleiche nicht auch mit den Namen der großen Alten machen? Es scheint ja tausend Aussprachen von „Cthulhu“ zu geben… (Die von HPL war soweit ich weiss „Cuth-U-Lew“)

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  6. Phil Maloney

    @Todesschnitzel:
    Das könnte man wohl, aber wo man keine sicheren Quellen über die bevorzugte Aussprache des jeweils zuständigen Autors hat, würde das auf eine willkürliche Auswahl unter jeweils mehreren Möglichkeiten hinauslaufen.
    Beispiel „Chaugnar Faugn“: in einer launigen Fußnote zur Übersetzung (die ich inzwischen leider verloren habe) schlug ich der Redaktion damals zwei Aussprachevarianten vor, auf der Grundlage diverser europäischer Schreibtraditionen: eine walisisch-französische, eine romani-ungarische. Das im weiteren weithin bekannt gewordene „SCHAHnjer FAHN“ ist eine Annäherung an die erstere der beiden (/ʃɑːɳəɹ fɑːɳ/)… die Alternative mit dem ejektiven /ʧʼ/ und den zwei /aü/ hätte mir persönlich eigentlich besser gefallen, aber sie wäre bestimmt viel schwerer zu vermitteln gewesen!

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  7. Phil Maloney

    @Todesschnitzel: Egal wie man sich entschiede, sowas wäre in jedem Fall eine willkürliche Auswahl aus zahlreichen existierenden Aussprachemöglichkeiten. Für praktisch jede der „merkwürdigen“ Buchstabenkombinationen in den Namen der GA lassen sich aus den Schreibgepflogenheiten der Sprachen der Welt mindestens zwei  mögliche Lautentsprechungen herausholen – und für die weniger merkwürdigen erst recht.
    Nur mal so als Beispiel einige der einfacheren Möglichkeiten  zu Nyarlathotep: als erstes fragt sich gleich mal, ob man dessen Silben so trennen sollte: „Nyarla-thotep“ oder doch lieber so: „Nyarlat-hotep“. Nach dem, was ich bisher auf Cons und dergleichen gehört habe, bevorzugen wir meistens die erste Möglichkeit (mit einem Sprechrhythmus wie „unerwartet“) – spricht man dieses <th> dann wie das gewöhnliche deutsche „t“ am Anfang von „Tod“ (wo es etwas anders klingt als am Anfang von „Treppe“ – im Hindi ist dieser Unterschied wichtig und wird in lateinischer Umschrift durch die Verwendung von <th> für das Tod-T wiedergegeben), oder ist es ein deutlich hörbares „t-h“, oder soll es wie ein englisches <th> sein (aber ist es dann ein hartes <th> wie am Anfang von „thorn“ oder ein weiches wie am Anfang von „those“?)?
    Nur… der Name Nyarlathotep soll ja irgendwie ägyptisch klingen, und es gab einen ägyptischen Gelehrten namens Imhotep – vielleicht ist es dann ja doch eher angebracht, als „Nyarlat-hotep“ zu trennen, mit einem Sprechrhythmus wie „Gärtnerverein“? Dann sind aber alle Überlegungen zu dem <th> hinfällig… das macht aber gar nichts, es gibt ja noch anderes: z.B. das <r> – soll das ein Dehnungs-R sein, wie es im Norddeutschen (und Englischen) gerne auftritt („Garten“), oder doch eher gerollt, wie man das aus Teilen des deutschsprachigen Südens (und natürlich aus dem Spanischen, vgl. „Tarragona“) kennt? Ich weiß nicht, wie’s dir geht – mir (als Süddeutschem) erscheint die rollende Aussprache viel natürlicher, aber ich weiß von Cons, dass viele das lieber als Dehnungs-R begreifen… ach so, und natürlich kann auch gar nicht jeder das R rollen.
    Und da ist das eigentliche Problem… oder nicht ein Problem, sondern eher eine Möglichkeit: alle diese Namen sind uns nur in schriftlicher Form überliefert, die zuweilen ganz ausgesprochen fremdartig aussieht… und darum geht es auch, einzig und allein darum: die Namen sollen fremd wirken. Und darum geht es ja auch im Spiel, wenn wir die GA erwähnen: es geht um etwas Fremdartiges, das allein schon unfasslich fremdartig heißt. Die Namen, die wir nennen, sind nur eine ungefähre Wiedergabe der „richtigen“ Lautung (die für menschliche Zungen beschreibungsgemäß schier unaussprechlich ist)… wichtig für die Wahrnehmung ist nur das Fremde. Hauptsache, es klingt dir und deinen Spielern hinlänglich fremdartig – solange du anhand des Schriftbildes Laute von zufriedenstellender Fremdartigkeit hinbringst, brauchst du dir ja gar nicht weiter die Zunge zu brechen. Wenn nicht… ein bisschen fremdartiger geht’s doch immer, und wenn man einfach nur den Sprechrhythums ändert (Nyarlathotep wie „alkoholisch“?).
    [Auch die Aussprache von Chaugnar Faugn ist ja im übrigen nicht ganz so offensichtlich, wie man meinen mag. Das bekannte, weithin überlieferte „SCHAG-nar FAHN“ ist die deutsche Annäherung an ein mögliches und vornehmlich walisisch-englisch inspiriertes (hier aber der Deutlichkeit halber in anderer Umschrift wiedergegebenes) „Šågna‘ Fån“… weil es eben auch nicht besonders schwierig war, Probleme mit einem ebenso plausiblen, aber eher norwegisch-französisch basierten „TśaüñaR Faüñ“ vorauszusehen.]

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