Rezension: Robin D. Laws – Gutes Spielleiten

Titel: Gutes Spielleiten
Autor: Robin D. Laws
System: allgemein
Verlag: Pegasus
Format: Hardcover, schwarz/weiß
Seiten: 44
Sprache: Deutsch
Preis: 14,95 EUR

Pro: Ein paar handliche Tipps zum guten Spielleiten
Kontra: teuer, geringer Umfang, schlechtes Lektorat

Kaufempfehlung: Nicht unbedingt notwendig

Robin D. Laws hat sich in der Rollenspielszene vor allem durch Entwicklung diverser Nischensysteme, als Kritiker und selbst-reflektiver Spielemacher und Dank effektiven Selbstmarketings einen Namen gemacht. Mit dem Handbuch Gutes Spielleiten liegt nun ein Werk auf deutsch von ihm vor, dass dem Spielleiter exklusive Tipps vermitteln möchte. Das ich es an dieser Stelle rezensiere, mag vielleicht die Bandbreite der Cthulhu-Themen dieses Blogs ein wenig überstrapazieren, aber immerhin ist Laws Erfinder des GUMSHOE-Systems, das auch in Trail of Cthulhu Verwendung findet und Cthulhu wird im hier besprochenen Werk zumindest mehrfach erwähnt. 🙂 Von daher mögen man mir diesen Exkurs verzeihen.

Redet man angesichts der 44 großzügig bedruckten Seiten von einem Buch, mag das einen falschen Eindruck erwecken. Vielmehr handelt es sich um einen Aufsatz, den man in ein nettes Hardcover gepackt hat. Der Text selber könnte also auch ein etwas größerer Blogeintrag sein. Illustriert ist er nur von ein paar Diagrammen und Tabellen. Ähnlich wie in Quellenbüchern sind eingeschobene Hinweise aus dem Layout durch Hinterlegung hervorgearbeitet worden. So hat man recht schnell Zugriff auf das enthaltene Arbeitsmaterial, dass tatsächlich auch darauf abzielt, am Spieltisch eingesetzt zu werden. Einige Schreib- und teilweise groteske Übersetzungsfehler stören leider den Lesefluß. Das beides sogar an ein und der selben Stelle vorkommen kann, zeigt ein kleines Beispiel. Eine „Ku-Klux-Klan rally“ wurde nicht – wie es in dem Zusammenhang korrekt gewesen wäre –  als Versammlung eben jenes Klans übersetzt, sondern mit „Clan-Rally“ als Auto-Rallye gedeutet und dann noch nicht einmal korrekt geschrieben. Unprofessionell, Abzug in der B-Note.

Inhaltlich setzt Laws alles darauf, dass der Spielleiter seine Pappenheimer als diverse Spielertypen identifiziert. Dafür bietet er ein recht übersichtliches Spektrum an Spielertypen an, das vom Powergamer bis hin zum Schauspieler reicht. Fast alle seine Tipps beziehen sich auf dieses Konzept und versuchen so, Handlungsanweisungen zu geben, um sich an das jeweils individuelle Gemisch an Spielertypen anzupassen. Mit Rollenspielern sehr entgegen kommenden Mechanismen, die auch ein Punktesystem zum kalkulieren der Notwendigkeit bestimmter Spielleitungsinstrumente enthalten, macht er es dem Leser möglich, die eigene Runde zu analysieren. Basierend auf diesen Analysen entfaltet er eine strukturierte Übersicht diverser Spielleitungs-Techniken, die man so alle zwar schon einmal irgendwo gelesen hat, aber vielleicht nocht nicht so organisiert. Sein Verdienst dabei ist also eher, diese Weisheiten in ein anwendbares und leicht nachzuvollziehendes Konzept zu verschmelzen, als die Innovation.

Schaut man sich die Kapitelauswahl an, findet man schnell heraus, dass eigentlich jeder Aspekt des Spielleitens berücksichtigt wurde. Von der Analyse der Spieler, der Auswahl eines Spielsystemes über das Erstellen von Kampagnen und Abenteuern bis hin zum Improvisieren ist alles enthalten, zu dem man sich Hilfestellung wünschen könnte. Einige Aspekte werden dabei sehr detailliert behandelt, zum Beispiel die Namensfindung für improvisierte NSC oder die Verwendung von Adjektiv-Listen zur Beschreibung derselben. Andere wiederum sind allgemein gehalten und eher psychologischer Natur, zum Beispiel der Hinweis, am Tisch selbstbewußt zu sein und nicht zu hart mit sich als Spielleiter ins Gericht zu gehen.

Das Laws ein Spieleautor ist, entnimmt man auch vielen Anspielungen darauf, wie er und seine Zunft mit Kritik an den eigenen Werken umgehen. Ein Satz ließ mich schmunzeln, ist aber zweifelsohne wahr: dieser zielte darauf ab, dem Leser klarzumachen, in welchem Dilemma ein Abenteuerautor steckt, der die schmale Gratwanderung zwischen zu wenig Details und zu viel Railroading schaffen muss und keinen Leser eigentlich richtig befriedigen kann. Auch macht Laws deutlich, dass ein Spieleautor lediglich 30% des Geschehens in der Spielrunde bestimmen kann. Den Löwenanteil trägt der Spielleiter zum Erfolg bei. Eine schwere Last, die sich mit seinen Tipps aber ganz gut tragen lässt.

Insgesamt ist das Buch nett zu lesen, für erfahrene Hasen aber unnötig. Gerade Cthulhu-Spieler, die auf die hervorragenden Spielleiter-Tipps im gleichnamigen Handbuch zugreifen können, werden hier nichts Neues finden. Für fast 15 Euro ist der Preis für dieses dünne Werk auch ziemlich happig. Das Namen auch in der Rollenspielszene Geld machen können, sieht man hier ganz deutlich. Jeder andere Autor hätte damit vermutlich höchstens die Leser in einem kostenlosen Blog erreicht. Für Einsteiger und unsichere Spielleiter kann es eine gute Stütze sein und für Laws-Enthusiasten sowieso ein Pflichtkauf.

13 Gedanken zu “Rezension: Robin D. Laws – Gutes Spielleiten

  1. Marcus Johanus

    Man muss natürlich bedenken, dass „Robin’s Laws of Good Gamemastering“ auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat.
    Ich habe mir das Heft von SJG 2002 bei Erscheinen geholt (das damals rund 8,- Euro gekostet hat). Zu diesem Zeitpunkt war Laws Ansatz schon neu. Insofern könnte man fragen, wieso Pegasus dem Zeitgeist ein wenig hinterher hinkt und ein Werk veröffentlicht, dessen Inhalt versierten Spielleiter bereits verinnerlicht haben. Allerdings hängt nun nicht jeder Spielleiter ständig im Netz und liest Blogs über Rollenspieltheorie und -tipps und es spielt auch nicht jeder Spielleiter Cthulhu, so dass ein neutraler Band übers Leiten meiner Ansicht nach schon sinnvoll ist.
    Was die Rezension mir nicht deutlich genug herausarbeitet: Laws Text macht einfach Spaß. „Gutes Spielleiten“  war für mich ein echtes Lesevergnügen UND ich habe damals viel über verschiedene Spielertypen gelernt und Einiges darüber erfahren, wie man diese in seinen Spielrunden berücksichtigen kann.
    Ob der Preis des Bandes unangemessen ist, finde ich diskussionswürdig. Wie gesagt, das 30-Seiten-Heft von SJG hat vor sechs Jahren rund acht Euro gekostet. Heute bekommt man es über Amazon.com nicht unter 25,- Dollar. Inflation, Übersetzung, Hardcover kosten halt. Insofern finde ich rund 15,- Euro für 44 Seiten nicht zu viel.
    In meinen Augen wurde hier einen Basisartikel und Klassiker der Rollenspielliteratur ausgegraben und einen der am besten geschriebenen dazu.

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  2. Synapscape

    Hmm, vielleicht verliert der Text einfach in der Übersetzung, denn außer ein paar platten Rollenspieler-Klischee-Witzen war jetzt nicht sooo viel Vergnügliches an der Lektüre zu finden. Vermutlich ist es im englischen Original besser.

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  3. @Marcus: Die Übersetzung von Pegasus ist wohl mehr oder minder zufällig zu stande gekommen. Ein Fan hat es übersetzt, bei SJG angefragt und die haben den kontakt zu Pegasus vermittelt – was ich im übrigen großartig finde.

    Im Tanelorn meldet sich übrigens auch der Übersetzer zu Wort: http://tanelorn.net/index.php/topic,55926.0.html

    Das man _heute_ nicht mehr von innovativ sprechen kann, stimmt zwar, aber andererseits basieren 80% dessen, was man zu dem Thema lesen kann, doch genau auf dieser Kategorisierung von Laws. Sprich: Zum Zeitpunkt des erscheinens war es mit Sicherheit innovativ.

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  4. Synapscape

    @Greifenklaue:
    neee, auch anno 2002 war das nicht mehr innovativ. Listen up, you primitive Screwheads war da zum Beispiel schon fast 10 Jahre alt.

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  5. Frank Heller

    Wie, drei Jahre hat der Übersetzer nach eigenen Angaben für die Übersetzung gebraucht? Für 44 Seiten? Drei Jahre hat auch Robert Maier gebraucht, für 850 Seiten „Berge des Wahnsinns“ – und das in seiner Freizeit neben seiner Promotion.

    @Synapscape: Wer war denn der Lektor?

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  6. Phil Maloney

    Schon ohne Kommentare war ich drauf und dran, nachzufragen, ob RDL denn neuerdings auf Deutsch schreibt – die Rezi erwähnt ja mit keinem Wort, dass es sich um eine Übersetzung handelt. Jetzt aber, nach den bis hierher geäußerten Kritiken, noch um eine Klarstellung zu bitten, z.B. durch Nennung des Übersetzers… das verbietet sich fast von selbst, das wäre ja praktisch ehrenrühriges Nachtreten. (Auch wenn man zur Qualität der Übersetzung nix zu sagen hat, ist niemandem geschadet, wenn die Veröffentlichungsdaten neben dem Autor auch den Übersetzer nennen. Im Prinzip müsste ne Rezi wie diese ja eigentlich Anlass für eine Übersetzerdistel sein.)
    (Es war ja aber noch viel schlimmer, Synapscape… im Kern nämlich grade mal 24 Monate… danach noch 3 Monate Eigenlektorat… und danach immer noch allerlei Nachträge, weil von rund 100 Einzeldateien dann doch ein paar zwischen die Dielenbretter gerutscht waren…)

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  7. Synapscape

    Höh????
    In der Rezi schreibe ich doch extra Dinge wie
    „Einige Schreib- und teilweise groteske Übersetzungsfehler stören leider den Lesefluß.“
    oder
    „Mit dem Handbuch Gutes Spielleiten liegt nun ein Werk auf deutsch von ihm vor, dass dem Spielleiter exklusive Tipps vermitteln möchte. “

    Also ich denke doch, dass daraus klar hervorgeht, dass es sich um eine Übersetzung handelt.
    Hast du die Rezi gelesen oder nur die Kommentare?

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  8. Phil Maloney

    Hoppala, das stimmt – die Nennung der Übersetzungsfehler hab ich glatt übersehen. Um so betrüblicher, dass der Übersetzer ungenannt bleibt.
    Zwar ist es unter Umständen nur mäßig beeindruckend, wenn  Übersetzungs’kritiker‘ sich an einzelnen Wendungen aufhängen, aber wenn es in seinen ‚grotesken‘ Formen charakteristisch für die Probleme der vorliegenden Übersetzung ist, dann kann man dem Übersetzer schon mal auch das ins Poesiealbum schreiben… vorzugsweise übrigens mit Gegenvorschlag. (Wer sich mit seinem eigenen Sach‘ nicht aus dem Fenster lehnen mag, der braucht doch auch nicht zu rezensieren, IMHO/MBMN.) N guter Übersetzer muss das auch mal wegstecken können…
    (Die „liegt nun auf deutsch vor“-Passage hatte ich allerdings so verstanden, dass ein solches Werk nun auch auf deutsch vorliegt, und zwar von RDL – während du meinst, dass ein solches Werk von RDL vorliegt, und zwar nun auch auf deutsch… ach, so!)

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  9. Synapscape

    LOL wie geil ist dass denn!
    Mittlerweile kommt heraus, das Pegasus im Buch von Laws klammheimlich product placement betreibt und von Laws originär erwähnte Spielsysteme einfach mal durch Cthulhu und Shadowrun ersetzt hat. Teilweise auch an Stellen, wo das gar nicht reinpasst. So wird Cthulhu mal flux zum Spiel für Taktiker.
    Hammer!
    Aber Pegasus ist ja unser aller Freund, die völlig nicht-kommerzielle Kuschelgruppe. Sry, ich weiß ich werde wieder zynisch.

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  10. Frank Heller

    Ich habe das mit der Behauptung, Cthulhu sei ein Taktikspiel, ebenfalls mit Überraschung zur Kenntnis genommen.  Das passt nun wirklich gar nicht.

    Bitte nicht verwechseln:
    – Pegasus ist natürlich ein kommerzieller Verlag, das wird wohl niemand bestreiten
    – das Cthulhu-Mitarbeiterteam besteht aus Leuten, die sich für unser gemeinsames Hobby für kleines oder bei der CW auch gar kein Geld ihre Freizeit um die Ohren schlagen, das sind die Leute, die „euer aller Freund“ sind. :o)

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  11. Markus

    Inhaltlich gute Rezension, sehr aufschlußreich. Nur die Kompetenz der  Aussage über „schlechtes Lektorat“ darf bei der Masse an dass/das Fehlern in dem obigen Text angezweifelt werden.

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