Bookhounds of London

Für Trail of Cthulhu erscheint bald eine neue „Kampagne“ (vielmehr ein campaign frame), in der die Spielercharaktere Dean Corso aus den Neun Pforten Konkurrenz machen:

Bookhounds of London is a campaign frame, by Kenneth Hite, for Trail of Cthulhu.

Your characters aren’t stalwart G-men or tweedy scholars this time around, serving their country or sealing off forbidden frontiers. They’re working the main chance, and selling maps (and maybe guidebooks) to those forbidden frontiers. They are book-hounds, looking for profit in mouldy vellum and leather bindings, balancing their own books by finding first editions for Satanists and would-be sorcerers. They may not quite know what they traffic in, or they may know rather better than their clientele. Peddlers of blasphemy and madness aren’t nice people, and the only consolation is that their customers are worse yet.

In a Book-Hounds of London campaign, the Investigators do not investigate horror and strangeness professionally. Rather, they investigate books about horror and strangeness and become, seemingly inevitably, drawn into the horror themselves. If they could just sell a pristine copy of the 1845 Bridewell edition of Nameless Cults, pocket their 40% (or 400%) and move on, they would. But it’s never that simple. Not for them. Not for book-hounds. Not in London. Not now.

Featuring new drives, hints for running your games as a “sandbox” and a sample adventure, Whitechapel Blackletter.

Das Buch war mal als London-Quellenband ohne Spielwerte angekündigt. Das Konzept Sandbox-Kampagne, mit einem netten Whitechapel Einführungsabenteuer, klingt aber auch nicht übel. Derzeit läuft das Playtesting, eine Veröffentlichung wird sicherlich nicht so lange auf sich warten lassen.

Cthulhu im Gaslicht – Die "Gefallenen"

Die Massen von Prostitutierten in den schmutzigen Gassen des East Ends sind das vielleicht bekannteste Symbol für die dunkle Seite der viktorianischen Gesellschaft. Jack the Ripper mordete hier, und auch Cthulhu-Ermittler im Gaslicht lernen sie meist früher oder später kennen, ob sie wollen oder nicht.

Im Rotlichtmilieu

Möglicherweise war es „das älteste Gewerbe der Welt“, doch die Urbanisierung des 19. Jahrhunderts brachte eine bis dato beispiellose Flut an Prostitution mit sich. Dabei war es meist schlicht und einfach die Armut, welche vor allem junge Mädchen aus der Unterschicht zu dieser Form des Gelderwerbs bewegte, da es in der Großstadt für ungelernte Frauen nur wenig andere Möglichkeiten gab, das eigenes Auskommen zu sichern. Oft aus zerrütteten Familien stammend, zwischen Arbeitshäusern und Heimen hin- und hergeschoben, gerieten diese Mädchen nicht selten bereits im Alter von sechzehn oder achtzehn Jahren auf „die schiefe Bahn“.  Prostitution war nicht per Gesetz verboten, jedoch drangsalierte die Polizei – so sie sich denn in diese Viertel verirrte – die Mädchen eher als sie vor Zuhältern und Dieben zu schützen. Und vor ansteckenden Krankheiten wie Tripper, Syphilis oder Gonorrhoe konnte sie ohnehin niemand schützen. Binnen einen Jahres waren die meisten Prostituierten infiziert.

Die Karriere auf der Straße war in der Regel kurz, da Prostitution für viele nur eine zeitweilige Notlösung darstellte.  Außerdem zogen sich die meisten Frauen zurück sobald sie sich ihren Dreißigern näherten und das Alter begann seinen Tribut zu fordern. Manche versuchten sich an anderen Gelegenheitsarbeiten, machten sich mit einem ihrer Freier sesshaft oder bleiben bei dem was sie gelernt hatten und wurden ihrerseits Bordellbetreiberinnen. Denn neben allen Entbehrungen, Gefahren und Ausgrenzungen fanden die jungen Frauen unter Ihresgleichen auch Unterstützung und Kameradschaft, ja geradezu Ersatzfamilien. Die „Schwesternschaft“ finanzierte einander sogar Arztbesuche und Beerdigungen. Wer sich in ihr Milieu begab und erwartete, dort auf gehorsame und verschüchterte Mädchen zu treffen – so wie es in höheren Schichten durchaus üblich war – hatte nicht mit dem Selbstbewusstsein und der Tatkraft dieser Frauen gerechnet, die von Kindesbeinen an hart für jeden Penny kämpfen mussten.

Doppelmoral und Sünde

Von dieser ganz eigenen Welt im Zwielicht der Gassen dürfte der für gewöhnlich eher gutbürgerliche Gaslicht-Ermittler jedoch relativ wenig wissen. In der bürgerlichen Gesellschaft galten die „Gefallenen“ – also die Frauen welche ihre Ehre aufgegeben hatten – als eines der Hauptprobleme der degenerierten Moderne. Die Kluft der Unmoral tat sich auf zwischen den auf keusche Podeste erhobenen Hausfrauen und Töchtern aus guten Hause und den Prostituierten, denen eine veranlagte sexuelleund moralische Verkommenheit zugeschrieben wurde. Den Missbrauch von Alkohol und Drogen, Kriminalität und vor allem die Verbreitung von schädlichen Geschlechtskrankheiten – all dies suchte und fand man im Milieu der käuflichen Lust. Dennoch galt es für einen Mann keineswegs als ehrenrührig, in seinem „Sexualtrieb“ eine Professionelle aufzusuchen, selbst wenn er verheiratet war. Vielmehr war es ein „notwendiges Übel“; ein „Ventil, die Ehe rein zu halten“. Die Prostituierten aber waren die Ausgestoßenen dieser Gesellschaft.

Ein beispielhafter Besuch im einschlägigen Viertel könnte für einen interessierten Ermittler so oder so ähnlich von Statten gehen: Mit der Droschke in besagtem Straßenzug angekommen wird er direkt auf Schritt und Tritt von jungen Frauen angesprochen. Ihre Kleidung ist auffällig aber von billigem Fabrikat. Dabei bieten sie nur ihre „Begleitung“ an, alles andere darf per Gesetz auf offener Straße nicht abgesprochen werden. Doch unser Ermittler hat bereits etwas anderes im Sinn: Er nähert sich mit raschem Schritt – Uhr und Brieftasche aus Vorsicht vor überall lauernden Dieben nie aus den Augen lassend – einer kleinen Absteige, wo er die resolute Dame des Hauses speziell nach einer ihrer Mieterinnen fragt. Rasch herbeigeholt fragt diese Dirne unseren Gentleman ganz forsch, ob er ihr nicht vier Shilling geben wolle. Sie habe sich erst vor kurzem ärztlich untersuchen lassen. Ihre Zuneigung mag gespielt und sie unter irgendeiner Droge sein, doch es genügt. Er zahlt wortlos und folgt seiner Begleiterin auf ihr Zimmer…

Szenarioideen

Diese düstere Seite der viktorianischen Gesellschaft, in der bürgerlichen Vorstellungen einen bodenlosen Abgrund der Sünde vermuten, kann für die Gentleman-Ermittler einen sehr eindrucksvollen Kontrast zu ihrem typischen Milieu bilden, ohne dass dafür die Stadt verlassen werden müsste. Abscheu und Angst, aber auch Faszination und Verlockung gehen hier Hand in Hand. Und wer weiß welche Unaussprechlichkeiten in diesen Gassen vor sich gehen, vor denen die Obrigkeit die Augen verschließt?

  • Die Öffentlichkeit ist geschockt: Eine bisher unbekannte Geschlechtskrankheit scheint sich beinahe über Nacht zu einer echten Epidemie ausgeweitet zu haben. Männer und Frauen aller Gesellschaftsschichten sind inzwischen betroffen und die Medizin ist machtlos. Harte Maßnamen gegen die Prostituierten werden gefordert, schließlich tragen diese die Schuld! Oder?
  • Grausam verstümmelte Körper werden in den Seitengassen Whitechappels gefunden und Scotland Yard steht vor einem Rätsel. Alle waren Männer die regelmäßig einschlägige Etablissements aufgesucht haben. Die Sensationsblätter haben eine neue Topstory: Jane the Ripperess. Was steckt hinter dieser blutrünstigen Mordserie im schmutzigsten Viertel der Stadt?
  • Getuschelte Gerüchte über einen neuen Höhepunkt der Scheinheiligkeit in der Oberschicht Londons machen die Runde: Unbeschreibliche Sexualpraktiken mit schamlosen Kurtisanen, gottlose Männer aus dem Adel die tausend Pfund und mehr für Jungfrauen aus der Arbeiterschicht bezahlen – und wer würde es schon wagen sich dieser Dekadenz entgegenzustellen?

(Literatur: Judith R. Walkowitz: Prostitution and Victorian Society. -und- Roger Davidson / Lesley A. Hall [Hg.]: Sex, sin and suffering. – Alle verwendeten Bilder stammen von commons.wikimedia.org)

Cthulhu im Gaslicht – Jack the Ripper

Aus der Hölle

Mr. Lusk,

Sir ich schicke ihnen eine halbe nihre von einer von den Fraun habs für sie aufgehoben das andere Stück hab ich gebrahten und gegeßen es war sehr lekker fielleicht schick ich ihnen noch das blutige Meßer mit dem ich sie rausgeschniten habe wenn sie noch ein Bisschen länger waten.

Unterzeichent von Fang-mich-doch-Mister-Lusk

Jack the Ripper ist wohl einer der berüchtigtsten Kriminalfälle der Geschichte. Der Mörder von vier Prostituierten im Londoner Elendsviertel Whitechapel, wurde nie gefasst und seine Identität gilt bis heute als ungewiss. Die perfekte Vorlage für eine traurige Berühmtheit… In diesem kleinen Artikel möchte ich nicht den Fall rekonstruieren (der wahrscheinlich hinlänglich bekannt sein dürfte), sondern einige Lesehinweise geben, die dann der geneigte Leser selbst verfolgen kann.

Es gibt inzwischen hunderte Bücher, Filme und auch Comics die sich mit dem Fall beschäftigen (Autoren, Geschichtsforscher und vor allem Amateure haben rund 70 mögliche Ripper gefunden!) und gerade für Cthulhu ist die Geschichte um den mysteriösen Mörder mit seinen eigenen undurchsichtigen Motiven interessant. Im Szenario Nebel der Wahrheit von Jens Peter Kleinau und Heiko Gill (zu finden in: London – Im Nebel der Themse) versuchen die Investigatoren den Fall Jack the Ripper zu lösen. Das Szenario orientiert sich an Originalschauplätzen und bekannten Persönlichkeiten des Jahres 1888 und verknüpft die Morde mit dem Mythos und seinem kosmischen Grauen.

Wer etwas über die Tatsachen erfahren will, kann zunächst einmal das deutsche Wikipedia zu Rate ziehen. Es bietet bereits eine unglaubliche Fülle an Informationen über den berühmten ungelösten Fall und dann gibt es da ja noch die englische Ausgabe der Online-Enzyklopädie. Sie hält noch einiges weitere für den Interessierten Hobbykriminalisten bereit, mitsamt weiterer Links und Quellen.

Aber das ist natürlich noch längst nicht alles. Es gibt ein ganzes Casebook über Jack the Ripper. Angefüllt mit Zeitungsartikeln, offiziellen Dokumenten, natürlich den Ripper-Briefen und vielen weiteren Puzzelteilen. Hier wird jedem interessierten auch ein Einblick ins viktorianische London geboten und es gibt eine unglaublich umfangreiche Liste von Ripper-Medien, wie Filmen, Büchern, Artikeln usw. Eine unglaubliche Menge an Informationen in die man sich vertiefen und wahrscheinlich auch schnell verlieren kann.

Es gibt auch eine große deutsche Seite die sich mit den Morden in Whitechapel beschäftigt und eine sehr eingängige Adresse im Netz hat: www.jacktheripper.de. Auch hier findet der „Ripperologe“ Zeitungsartikel, die Ripperbriefe, eine Übersicht der Ermittler und dazu noch vieles mehr. Doch das Zeitungsarchiv ist besonders erwähnenswert, listet es doch deutschsprachige Zeitungen (wie die Allgemeine Zeitung München oder das Berliner Tageblatt) auf die über Jacks Taten berichten. Das macht die More auch für Deutsche Charaktere interessant!

Gut, die Lektüre der Akten, Zeitungsartikel und Aufzeichnungen kann (trotz ihres Themas) vielleicht recht trocken sein, warum nicht einfach die zahllosen Ripper-Medien als Infotainment nutzen? Kürzlich habe ich Robert Blochs Interpretation des Ripper-Mythos gelesen und als recht unterhaltsam eingestuft. Zwar bleiben die Figuren ein wenig gesichtslos, doch der Fall wird auf interessante (und authentische) Art und Weise dargestellt, mitsamt den Ermittlungen von Inspektor Abberline und seinem (erfundenen) amerikanischen Experten in Sachen Medizin. Wer also Lust auf einen 280seitigen Roman vom Psycho-Schöpfer (Psycho ist auf jedenfall sehr zu empfehlen!!!) hat, sollte sich in den Antiquariaten nach Der Ripper umschauen. Leider hat der Roman bisher keine Neuauflage erlebt.

Und dann erscheint diesen Winter (pünktlich zum Weihnachtsfest) die Neuauflage von Alan Moores From Hell. CrossCult hat die alte, dreibändige Auflage aus dem Tilsner Verlag in ein stabiles Hardcover mit rund 600 Seiten gebannt. Ausgestattet mit Lesebändchen, einer redigierten Übersetzung und neuen redaktionellen Anhängen wird das Ganze aller Wahrscheinlichkeit nach ein ziemlicher Prachtband werden. Inhaltlich erwartet den geneigten Leser natürlich der Fall Jack the Ripper:

1888 bringt ein bis heute anonymer Mörder vier Prostituierte im Londoner Stadtteil Whitechapel um. Morde von ausgesprochener Brutalität: den vier Dirnen werden die Kehlen aufgeschlitzt, ihre Unterleiber werden verstümmelt. Die Person und die Motive des Täters liegen bis heute im Dunkeln.
1988 begann Alan Moore die Arbeit an From Hell. Zehn Jahre sollte er für dieses monumentale Werk benötigen, das mehr ist als nur eine minutiöse Aufarbeitung und Interpretation der Ereignisse in und um Whitechapel jener Tage. Auf sechshundert Seiten schildert dieser berühmte grafische Roman, wie sich reale Ereignisse und irrationale Ängste im London Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Massenparanoia ungekannten Ausmaßes ausweiten…

Die Graphic-Novel wurde bereits mit Johnny Depp unter dem Titel From Hell verfilmt und zeichnet ein düsteres, nebliges und von Gaslichtlaternen erhelltes London des Jahres 1888. Ob der Film dem Comic gerecht wird, kann ich leider nicht sagen, da ich bisher nur den Film kenne, aber der Comic wird ganz sicher unter dem Weihnachtsbaum liegen!

Cthulhu im Gaslicht – SHERLOCK HOLMES

Du betrittst das Zimmer im ersten Stock welches dir die Haushälterin gewiesen hat und findest dich in einem gemütlichen Wohnraum wieder, der mit mehreren vollgestellten Tischen und Schränken jedoch leicht unordentlich wirkt. Die Luft ist schwer von Rauchschwaden, die dem Londoner Nebel in Nichts nachstehen, jedoch scheinen sie dem beißenden Geruch nach zu urteilen nicht dem knisternden Kaminfeuer zu entspringen. „Guten Abend Mr. Walters.“ Erst jetzt entdeckst du den Mann im Lehnstuhl direkt vor dem Fenster. Die schräg hereinfallende Sonne lässt dich den in einen rot-goldenen Morgenrock gekleideten Sprecher mit der wohlartikulierten Stimme nur schemenhaft wahrnehmen, während er seine schmauchende Pfeife auf das Tischchen neben seinen Deerstalker-Hut legt und dir einen Sessel direkt ihm gegenüber anbietet. „Nehmen sie doch Platz.“

Blinzelnd gehorchst du und erkennst allmählich etwas mehr von deinem Gastgeber: Er ist sehr schlank und aufrecht sicher deutlich mehr als sechs Fuß groß. Oberhalb seiner hochgewölbten Stirn sind die dunklen Haare bereits einen fein meliert und mehr noch als das entschlossen wirkende Kinn fällt die scharf gebogene Raubvogelnase auf. Dann jedoch wird dein Blick von den unter buschigen Brauen emporfunkelnde Blick der durchdringenden grauen Augen gefangen. Er legt seine sehnigen Hände zusammen und unterbricht dich direkt, als du gerade das knapp gehaltene Telegramm hervorholen willst. „Vom tragischen Ableben ihres Kollegen bin ich bereits informiert; er war ja selbst zu Lebzeiten nicht immer ganz beisammen…“

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