Howard Phillips Lovecraft

eine kurze Biographie zum Wochenende.

Howard Phillips LovecraftHoward Phillips Lovecraft wurde am 20. August 1890 um 9 Uhr im Haus seiner Familie, in der Angel Street 454 (später 194) in Providence, Rhode Island geboren. Seine Mutter war Sarah Susan Phillips – ihren Stammbaum kann man bis zur Ankunft von George Phillips in Massachusetts um 1630 zurückverfolgen. Sein Vater, Winfield Scott Lovecraft war ein reisender Verkäufer für die Silberschmiede Gorkham & Co. Als Lovecraft drei Jahre alt war, erlitt sein Vater in einem Chicagoer Hotelzimmer einen Nervenzusammenbruch und wurde ins Butler-Krankenhaus eingeliefert, wo er für fünf Jahre blieb und schließlich am 19. Juli 1898 starb. Man erzählte dem Jungen, sein Vater wäre gelähmt und würde im Koma liegen, aber die vorhandenen Beweise deuten darauf hin, daß das nicht der Fall war; die Experten sind sich fast sicher, daß Lovecrafts Vater an Paresis, einer Form von Neurosyphillis, starb.

Nach dem Tod von Lovecrafts Vater fiel die Erziehung des Jungen in die Hände seiner Mutter, seiner zwei Tanten und seines Großvaters, Whipple Van Buren Phillips. Lovecraft war ein frühreifes und hochbegabtes Kind! Im Alter von zwei Jahren trug er Gedichte vor, mit drei las er, schreiben konnte er mit sechs Jahren. Zu Beginn begeisterten ihn die „Arabian Nights“, die er im Alter von fünf Jahren las; zu dieser Zeit legte er sich auch das Pseudonym „Abdul Alhazred“ zu, der später der Autor des mystischen Necronomicon wurde. Im nächsten Jahr wurden seine arabischen Interessen von der Erforschung griechischer Mythologie verdrängt, er las Bulfinchs’s „Age of Fable“ und Kinderausgaben der Ilias und der Odysee. Tatsächlich ist seine erste erhaltene literarische Arbeit, „The poem of Ulysses“ (1897), eine Umschreibung der Odysee in Versform in 88 Zeilen. Aber Lovecraft hatte zu dieser Zeit schon die „Weird Fiction“ entdeckt. Seine erste Geschichte, „The Noble Eavesdropper“, schrieb er um 1896. Sein Interesse am Merkwürdigen wurde zudem intensiv von seinem Großvater gefördert.

LovecraftLovecraft verbrachte seine Kindheit sehr einsam und litt dauernd unter Krankheiten, scheinbar psychologisch bedingt. Er besuchte die Slater Avenue School nur sporadisch und stillte seinen Wissensdurst durch eingenständiges Lesen. Mit acht Jahren entdeckte er sein Interesse für die Wissenschaft, zuerst Chemie, dann Astronomie. Er begann Zeitungen wie The Scientific Gazette (1899-1907) oder The Rhode Island Journal of Astronomy (1903-1907) zu schreiben, die er dann unter seinen Freunden verteilte. Als er in die Hope Street High School eintrat, empfand er seine Lehrer sowie auch seine Kollegen als angenehm und freundlich. Hier knüpfte er eine Reihe von Freundschaften mit gleichaltrigen Jungen.

1906 erschien erstmals ein Text von Lovecraft in einer Zeitung, als er einen Brief über ein astronomisches Problem an The Providence Sunday Journal schrieb. Kurz danach begann er eine monatliche Kolumne über Astronomie für The Pawtuxet Valley Gleaner, eine ländliche Zeitung zu schreiben, später schrieb er Kolumne für The Providence Tribune (1906-1908) und The Providence Evening News (1914-1918) sowie auch für The Asheville (N. C.) Gazette News (1915). Mit dem Tod von Lovecrafts Großvater im Jahre 1904 und der darauffolgenden schlechten Verwaltung der Geschäfte und Besitztümer bekam die Familie schwere finanzielle Probleme. Lovecraft und seine Mutter waren schließlich gezwungen, ihr großzügig ausgestattetes, viktorianisches Anwesen zu verlassen und musste in ein winziges Quartier in die Angel Street 598 umziehen. Lovecraft traf der Verlust seiner Geburtsstätte schwer.

Lovecraft1908, kurz vor seinem High-School-Abschluß, erlitt er einen Nervenzusammenbruch, was ihn dazu zwang die Schule ohne einen Abschluss zu verlassen. Diese Tatsache und sein gescheiterter Versuch die Brown University zu besuchen waren die Gründe, warum er sich in späteren Jahren furchtbar schämte. Die Zeit von 1908-1913 verbrachte Lovecraft wie ein Einsiedler, er ging seinen astronomischen und dichterischen Aktivitäten wenig bis gar nicht nach. Während dieser Zeit entwickelte Lovecraft ein ungesund nahes Verhältnis zu seiner Mutter die noch immer unter dem Tod des Vater litt und ihrerseits ein krankhaftes Liebe-Hass-Verhältnis zu ihrem Sohn aufbaute.

Lovecrafts Rückkehr aus dem Einsiederleben geschah auf einem sehr interessanten Weg. Als er die frühen „Pulp-Magazine“ las, wurde er dermaßen erbost über ein von Fred Jackson geschriebenes geistloses Liebesgedicht in The Argosy, dass er einen Brief (in Versen) verfasst, in dem er Jackson schwer angriff. Dieser Brief wurde 1913 veröffentlicht und rief einen Proteststurm von Jacksons Anhängern hervor. Lovecraft brachte eine hitzige Debatte in den Leserbrief-Kolumnen von The Argosy und seinen verwandten Magazinen in Gang, wobei Lovecraft seine Antworten immer in Verspaaren schrieb, die an Pope und Dryden erinnerten. Diese Kontroverse wurde von Eduard F. Daas, Präsident der United Amateur Press Association (UAPA), einer Gruppe von Amateur-Autoren aus dem ganzen Land, die ihre eigenen Magazine schreiben, zur Kenntnis genommen. Dieser lud Lovecraft ein, der UAPA beizutreten, was Lovecraft 1914 auch tat. Lovecraft schrieb dreizehn Ausgaben seiner eigenen Zeitung, The Conservative (1915-1923) und steuerte auch anderen Zeitungen viele Gedichte und Essays bei. Später wurde Lovecraft Präsident und Chefredakteur der UAPA, kurz diente er auch der National Amateur Press Association (NAPA) als Präsident.

Diese ganzen Erfahrungen haben Lovecraft wohl von einem Leben als unproduktiver Einsiedler bewahrt, sie er selbst einmal zugab: „1914, als sich die freundliche Hand des Amateurjournalismus zum ersten Mal nach mir reckt, konnte ich mich erstmals richtig entfalten. Mit dem Beitritt zur United veränderte sich mein Leben, mein Leben bekam einen neuen Sinn; ich fand etwas, wo ich fühlen konnte dass meine Arbeit nicht zum Scheitern verurteilt war. Zum ersten Mal wurde mir klar, dass meine plumpen, literarischen Gehversuche ein wenig mehr waren als nur leise Schreie in einer lauten Welt.“

Es war in der Amteurwelt, wo Lovecraft das Schreiben von Geschichten nahegelegt wurde. W. Paul Cook und andere, die Lovecrafts Talent ein seinen frühen Werken wie „The Beast in the Cave“ (1905) und „The Alchemist“ (1905) erkannt hatten, rieten ihm, das Schreiben von Geschichten wieder aufzunehmen. Lovecraft tat dies und schrieb im Sommer 1917 kurz hintereinander „The Tomb“ und „Dagon“. Er schrieb regelmäßig, aber wenige Geschichten – bis 1919 waren Gedichte und Essays seine bevorzugten literarischen Gattungen. Lovecraft schrieb sehr viele Briefe an Freunde und Organisationen – er war vielleicht einer der größten und bedeutensten Briefschreiben dieses Jahrhunderts.

Lovecrafts Mutter, deren mentales und körperliches Befinden sich stark verschlechterte, wurde 1919 mit einem Nervenzusammenbruch ins Butler Hospital eingeliefert das sie wie ihr Mann nie wieder verlassen konnte. Sie starb am 24.Mai 1921, ihr Tod war das Resultat einer stümperhaft durchgeführten Gallenblasenoperation. Lovecraft war vom Verlust seiner Mutter zutiefst betroffen, aber nach ein paar Wochen hatte er sich schon wieder soweit erholt, um an einem Amateurjournalisten-Kongress am 4. Juli 1921 in Boston teilzunehmen. Dort traf er zum ersten mal die Frau, die er später heiraten sollte: Sonia Haft Greene war eine russische Jüdin und um sieben Jahr älter als Lovecraft. Die Beiden verstanden sich auf Anhieb sehr gut. Lovecraft besuchte Sonia 1922 in ihrem Appartement in Brooklyn und die Nachricht ihrer Heirat am 3. März 1924 war schlußendlich keine Überraschung für ihre Freunde, sehr wohl jedoch für Lovecrafts zwei Tanten, Lillian D. Clark und Annie E. Phillips Gamwell, die nur einen Brief zugesandt bekamen, als die Hochzeit bereits gelaufen war.

Kalem Club BuchcoverLovecraft zog zu Sonia in ihr Appartement nach Brooklyn – die anfänglichen Aussichten für das Paar schienen gut: Lovecraft konnte als professioneller Autor Fuß fassen, einige seiner frühen Geschichten wurden von Weird Tales, einem Kult-Magazin, welches 1923 gegründet wurde, publiziert; Sonia betrieb ein gut laufendes Hutgeschäft in der Fifth Avenue in New York. Doch schnell tauchten Wolken am Himmel auf: das Hutgeschäft ging pleite, Lovecraft weigerte sich, Autor bei einem verwandten Magazin der Weird Tales zu werden (was einen Umzug nach Chicago nötig gemacht hätte) und auch Sonias Gesundheitszustand verschlechterte sich, weshalb sie gezwungen war, einige Zeit im New-Jersey-Sanatorium zu verbringen. Lovecraft bemühte sich um eine sichere Arbeitsstelle, aber fast niemand war dazu bereit, einen 34-jährigen Mann ohne Berufserfahrung anzustellen. Am 1. Januar 1925 zog Sonia nach Cleveland umd dort einen Job anzunehmen; Lovecraft zog in eine Einzelwohnung nach Red Hook, ein schäbiges Brooklyner-Viertel.

Obwohl Lovecraft viele Freunde in New York hatte (Frank Belkamp Long, Rheinhart Kleiner, Samuel Loveman) vereinsamte er zunehmend und war deprimiert über die große Zahl von „Ignoranten“ in der Stadt. Sein Schreibstil änderte sich vom Nostalgischen („The Shunned House“ (1914) spielt in Providence) zum Melancholischen und Menschenfeindlichen („The Horror at Red Hook“ und „He“ (beide 1924) zeigen seine wahren Gefühle gegenüber New York). 1926 schmiedete er schließlich Pläne für seine Rückkehr nach Providence, da er seine Heimat so sehr vermisste. Aber wie passte Sonia in diese Pläne? Keiner wusste eine Antwort auf diese Frage, am wenigsten Lovecraft selbst. Obwohl er seine Liebe zu ihr mehrmals bekannte, stimmte er seinen Tanten zu, die sich entschieden gegen eine Rückkehr von Lovecraft mit Sonia aussprachen – eine Handelsfrau in der Familie konnte ihren Ruf und den ihres Neffen schädigen. Die Zeit des Paares war abgelaufen, die Scheidung im Jahre 1929 war unvermeidlich.

Lovecraft kehrte am 17. April 1926 nach Providence zurück und zog in die Barnes Street 10 ein; er war nicht mehr so verschlossen wie in den Jahren von 1908-1913 – die letzten zehn Jahre seines Lebens waren wohl auch seine besten, als Autor sowie auch als Mensch. Er unternahm weite Reisen zu Orten an der Ostküse (Quebec, New England, Philadelphia, Charleston, St. Augustine); er schrieb seine größten Werke, von „The Call of Cthulhu“ (1926) über „At the Mountains of Madness“ (1931) bis hin zu „The Shadow out of Time“ (1934-1935); er setzte auch seinen regen Briefverkehr fort und prägte so die Karrieren vieler junger Autoren (August Derleth, Donald Wandrei, Robert Bloch, Fritz Leiber).

Cthulhu SkizzeDie letzten zwei oder drei Jahre seines Lebens waren sehr schwer für ihn. 1932 starb seine geliebte Tante, Mrs. Clark. Mit Mrs. Gamwell, seiner anderen Tante, zog er in die College Street 66, gleich hinter die John-Hay-Bibliothek. Seine späteren Geschichten, die immer länger und komplexer wurden, waren schwer zu verkaufen. Einen Großteil seines Geldes verdiente er durch Ghost-Writing, Gedichte und andere nicht-literarische Arbeiten. Als sich 1936 einer seiner engsten Brieffreunde, Robert E. Howard, selbst umbrachte, war er völlig verwirrt und sehr traurig. Zu dieser Zeit war die Krankheit, die ihn töten wird – Krebs – schon soweit fortgeschritten, daß sie fast unheilbar war. Lovecraft versuchte die starken Schmerzen über den Winter 1936-1937 auszuhalten ,musste aber am 10. März 1937 schließlich doch ins Jane-Brown-Memorial-Hospital wo er fünf Tage später starb. Er wurde am 18. März im Phillips-Familiengrab am Swan-Point-Friedhof begraben. Es ist möglich, daß er seinen Tod kommen sah und befürchtete, daß seine Werke in Vergessenheit geraten könnten, denn schließlich hatte er nie ein wirkliches Buch publiziert (außer vielleicht der simplen Ausgabe von „The Shadow over Innsmouth“ (1936)), und seine Geschichten, Gedichte und Essays waren in einer großen Anzahl von Amateur- und Pulp-Magazinen verstreut. Aber seine Freunde, mit denen er nur über den Briefverkehr kommunizierte, überzeugten ihn, seine Werke doch zu veröffentlichen: August Derleht und Donald Wandrei wurden dazu bestimmt, Lovecrafts Werke in einem Buch zu veröffentlichen; sie gründeten den Verlag Arkham House – anfangs ausschließlich um Lovecrafts Werke zu vermarkten, 1939 wurde „The Outsider and Others“ veröffentlicht. Viele andere Bücher von Arkham Houses folgten und Lovecrafts Werke wurden in ein dutzende Sprachen übersetzt. Heute sind seine Geschichten in textliche korrigierten Editionen, seine Essays, Gedichte und Briefe größtenteils erhältlich, viele Wissenschaftler untersuchten die Tiefe und Komplexität seiner Werke und Gedanken. Es muss noch viel über Lovecraft nachgedacht und geforscht werden, aber eines kann sicher gesagt werden: Lovecraft schuf eine kleine, aber unanfechtbare Nische in der Weltliteratur.

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